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„Bei uns war alles ganz normal“. Ruth Frenk und ihr Leben als Tochter von Holocaust-Überlebenden

Lesung und Gespräch mit Ruth Frenk

22. April 2026


Ehem. Synagoge Schupbach - 19.00 Uhr
Mittelstr. 36, Beselich


Ruth Frenks Eltern haben als jüdische Bürger aus den Niederlanden den Holocaust überlebt. Die Eltern Solomon und Lieselotte gehörten zu den Menschen, die aus dem KZ Bergen-Belsen lebend befreit wurden. Zurück in ihrer Heimatstadt Rotterdam wurden sie am 20. März 1946 Eltern ihrer Tochter Ruth. Viele Jahre später schreibt die Tochter ihre Memoiren, die unter dem Titel „Bei uns war alles ganz normal“ erscheinen.

Anderen den Mut zu geben, auch mit einem schwierigen Start ihre Mitte zu finden und von dort ihr Leben zu bewältigen, das ist das Ziel, das die Sängerin und Gesangslehrerin Ruth Frenk mit ihren Memoiren und ihren Lesungen verfolgt. Dabei sucht sie bewusst den direkten Kontakt mit ihren Zuhörerinnen und Zuhörern. Sie sollen Gelegenheit erhalten, mehr über das Judentum zu lernen. Gleichzeitig geht es Ruth Frenk darum, Vorurteile abzubauen und Stereotype zu entlarven.

Im Mai 1945 schreibt ihre Mutter nach der Befreiung an eine Freundin: „Wir selbst beabsichtigen, so bald wie möglich nach Rotterdam zurückzukehren und werden dann versuchen, wieder ein normales Leben aufzubauen und das Erlebnis in Bergen-Belsen mit all seinen Grausamkeiten und Schreckensbildern aus unserer Erinnerung zu verbannen.“ Die Schreckensbilder aus der Erinnerung zu verbannen, ist ihren Eltern gut gelungen. Die Mutter starb früh, ehe das Alter die Langzeiterinnerung freisetzen konnte. Der Vater fing mit 80 Jahren an, sich zu erinnern und von seinen Erfahrungen zu berichten, ausgelöst durch die Befragung von zwei Studentinnen.

Ein paar Jahre zuvor hatte er seiner Tochter noch erstaunt geantwortet: „Bei uns war alles ganz normal!“, als Ruth Frenk ihrem Vater davon erzählte, eines der ersten „Seminare für die zweite Generation“ besuchen zu wollen. Die Seminare brachten Kinder von Verfolgten des Nationalsozialismus in Doorn (Niederlande) zusammen. In Deutschland, Ruth Frenk lebte zu diesem Zeitpunkt bereits seit 18 Jahren in Konstanz, gab es zu der Zeit noch keine Therapeuten, die sich an dieses Thema wagten.

In dem Seminar wurden die Teilnehmenden in drei Gruppen eingeteilt: 1. Kinder von Überlebenden der Konzentrationslager, 2. Kinder von untergetauchten Eltern, 3. Kinder von Eltern, die ins Exil gegangen waren. Ruth Frenk gehörte zu der ersten Gruppe. Noch nie zuvor hatte sie sich so identifiziert. Die Teilnehmer ihrer Gruppe konnten nicht begreifen, dass sie zufrieden in Deutschland lebte. „Dieses Wochenende hat mich sehr beeindruckt und geprägt. Zum ersten Mal begegnete ich Menschen, die zu Hause ähnliches erlebt hatten wie ich, und ich lernte, dass meine Verletzungen auch bei anderen genauso entstanden waren“, erinnert sich Ruth Frenk.

Der Besuch der Veranstaltung ist frei, um eine Hutspende wird gebeten.
Aufgrund der begrenzten Anzahl an Plätzen in der ehemaligen Synagoge
ist eine Voranmeldung per E-Mail sinnvoll:
johanneslaubach@gmx.de

Fotohinweis: Medien-Bureau Ruth Frenk